Wie können Politik und Kommune Wohnen und Leben im Alter neu denken? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt einer gut besuchten Informations- und Diskussionsveranstaltung der Dieburger SPD. Anlass ist das zur Jahreswende an die Stadt zurückfallende Areal des früheren Altenzentrums in der Gerhart-Hauptmann-Straße. „Die Dieburger SPD möchte, dass dort ein zukunftsweisendes Projekt für Wohnen und Leben im Alter entsteht“, betonte die SPD-Vorsitzende Sabine Schnurr. Entscheidend sei jedoch, Bedarfe sauber zu ermitteln, Investoren und Betreiber zu gewinnen und gleichzeitig sicherzustellen, dass künftige Generationen finanziell nicht überfordert würden.
Als Referentin stellte die Sozial- und Jugenddezernentin des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Christel Sprößler, die sozialpolitischen Rahmenbedingungen vor. Seniorinnen und Senioren wünschten sich wohn- und familiennahen, gut erreichbaren Wohnraum — möglichst zentral gelegen und mit passenden Serviceleistungen. Der Landkreis unterstütze dies durch eine kostenlose Wohnraumanpassungsberatung, die über bauliche, technische und organisatorische Verbesserungen informiert. Auch die Kommune könne bei der Umsetzung von Projekten Einfluss nehmen, etwa über Zweckbindungen beim Grundstücksverkauf und städtebauliche Verträge.
Hans-Jürgen Wittig vom Sozialverband VdK präsentierte aktuelle Daten zu Altersstruktur, Barrierefreiheit und Armutsrisiken. Im Raum Dieburg liege die Pflegebedürftigkeit noch unter dem hessischen Durchschnitt, werde aber bis 2030 deutlich steigen. Die Zahl älterer Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen und armutsgefährdeter Haushalte werde weiter wachsen — ebenso der Bedarf an barrierefreiem Wohnraum. „Wir müssen auf diese Entwicklung vorbereitet sein“, so Wittig.
Wie ein modernes Quartiersprojekt aussehen könnte, zeigte Oliver Layer, Geschäftsführer des Seniorenheims Tannenberg in Seeheim-Jugenheim, anhand eines möglichen Modells für Dieburg. Menschen bräuchten „Sicherheit ohne Bevormundung, Gemeinschaft ohne Verpflichtung und Unterstützung ohne Verlust der Selbstständigkeit“. Ein Quartier, das ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote intelligent verzahnt, könne ein solches Umfeld schaffen. Dazu zählen betreutes Service-Wohnen, ein ambulanter Dienst, Tagespflege, Senioren- und Demenz-WGs, stationäre Pflege sowie Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Dieburg habe die Chance, hier ein „Leuchtturmprojekt“ zu realisieren.
Mit Blick auf die Finanzierbarkeit betonte Sabine Schnurr abschließend: „Im Sinne von Generationengerechtigkeit ist es dringend notwendig, Strukturen zu schaffen, die älteren Menschen ein möglichst langes, selbständiges Leben ermöglichen. Das Grundstück in der Gerhart-Hauptmann-Straße ist ein wertvoller Baustein dafür.“
SPD-Ortsverein Dieburg